Faust I – Johann Wolfgang von Goethe, Buchcover
Weimarer Klassik / Sturm und Drang1808Abitur-relevantRoman

Faust. Der Tragödie erster Teil

Johann Wolfgang von Goethe

Ein verzweifelter Gelehrter schließt einen Pakt mit dem Teufel — und zerstört dabei das Leben einer unschuldigen jungen Frau.

„Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, und leider auch Theologie durchaus studiert, mit heißem Bemühn." — Goethes Lebenswerk über Wissensdurst, Pakt mit dem Teufel und die Tragödie eines unschuldigen Mädchens.

ca. 14 Min. Lesezeit·15 Kapitel·6 Themen
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Epoche und Kontext

Wann, wo und unter welchen Bedingungen das Drama entstand.

Goethe arbeitete an Faust über sechzig Jahre — vom „Urfaust" um 1772/75 (Sturm und Drang) bis zur Veröffentlichung 1808 (Weimarer Klassik) und schließlich Faust II (1832, posthum). Faust I trägt deshalb beide Epochen in sich: die jugendliche Wucht der Gretchen-Tragödie und die abgeklärte Ordnung der Weimarer Klassik im Prolog. Diese Doppelnatur erklärt, warum das Werk so reich und widersprüchlich wirkt.

Der historische Hintergrund ist der Frankfurter Kindsmord-Prozess gegen Susanna Margaretha Brandt: Die junge Magd ertränkte ihr Kind und wurde 1772 öffentlich enthauptet. Goethe, damals Rechtspraktikant, war an dem Verfahren beteiligt — die Erfahrung wurde zum Kern der Gretchen-Handlung. Auch der historische Doktor Faustus (16. Jahrhundert), Volksbücher und Marlowes Drama liefern die Rahmenfigur, doch die seelische Tiefe ist Goethes eigene Erfindung.

Faust I wurde 1808 gedruckt und 1829 in Braunschweig uraufgeführt. Es gilt als Hauptwerk der deutschen Literatur und als Schlüsseltext der „Weimarer Klassik" — auch wenn es viele Stilebenen mischt. Im Abitur ist Faust I seit Jahrzehnten Pflichttext: kein anderes Werk fasst das deutsche Selbstbild zwischen Aufklärung, Sturm und Drang und Klassik so dicht zusammen.

Nächster Schritt

Drei Lesarten — und die Schuldfrage

Klassisch, sozialgeschichtlich, religiös — und das Schuld-Ometer als Diskussionsfundament.